Sonntag, 22. Dezember 2019

Weihnachten - Ein Tagebuch aus der Zukunft (Bairische Mundart)


A Blick in die Zukunft: Weihnachtn wias amoi sei werd‘…


Weil ma ja jeds Joar a weng a Klimaverschiebung ham, und so manche Branch‘, de Winterbekleidung und Winterreifen und dergleichen herstellt leidet.
Weil de Schi und d’Schlittn in de Schupfan vogammèn. 
Weils so trockn is, dass boid nix mehr grea is, deszwegn hob i mir a wengal Gedankn iba de Zukunft vo da Adventszeit und generell übas Weihnachtsfest und dem Gfühl dafir gmocht.

Drum gemma jetz a bissal in d’Zukunft und i les eich a Tagebuch vor des do gführt wird:

Erster Dezember

Trotz Lebkuacha und Spekulazius, de seit August in de Geschäfta umanandaflackan, hod se no koa weihnachtliche Stimmung aufdoa. Da Winta losst se Zeit. D’Sunn scheint scho extra schee, trotz de kurzn Tog.
Im Gartn bliahn d’Rosn, und vorhin hob i an meim Flieder zarte Knospn entdeckt. Mia wuascht, I häng einfach a Lametta dro. Des flattat dann schee im warma Südwind.

Zweiter Dezember

S’is a Saharasturm ankündigt. Des hoasst s’Auto wieda obkehrn. S’Besal, des i friara firn Schnee hergnomma hob kimmt ma do grod recht. Den Eiskratza nimm i ois Teigschaber her. Ma muass se hoit opassn.

Dritter Dezember

Da Spaziergang heit war ja bsondas schee. Im Woid balzn d’Vogal und doan scho Nestal baun. Wieso hob i eigentle 25 Kilo Voglfuada kafft? De brauchan eh nix. S’fliagn gnua Muckal umananda.

Vierter Dezember

Im Radio hams  „Leise rieselt der Schnee“ gspuit. Wega da Weihnachtsstimmung, hod der arrogante Sprecha gmoant. War a bissal ogfressn deszwegn, weil i grod vo da Eisdiele kemma bin und mir eigentlich Sorgn mach, ob i mir ned an Sonnenbrand zuazogn hob.

Fünfter Dezember

Im Fernseha laffan grod Sendungen vo friara. D’Fuchzga und Sechzga Joar hams eana bsondas o’doa. Damois ham’s woi Schnee ghobt, im Dezember…
Geh! Wer braucht denn an Schnee?

Sechster Dezember

Heit is da Nikolaus kemma! Der hod a kurze Hosn oghobt und a Hawaiihemd. Da Schwitz  is eam untam foischn Bart iban Hois grunna und noch de Geschenke woit der unbedingt a Hoibe Bier. Des, na wirklich! Des hätts friara ned gebn. Wo samma denn?

Siebter Dezember

Oans woaß jetz, dass nämle Kerzn und Teeliachta a Riesnhitz gebm. Dabei woit ia bloß a wengal a Stimmung ins Wohnzimma bringa!
Mei Mo hod des ganze Zeigl packt und in d’Mülltonne gschmissn. Mei hod der a rote Birn ghobt! Hod me irgendwia an a Christbaumkugl erinnert.

Achter Dezember

Soi i jetzt wirkle Pletzal bacha? Wos fir welche denn? Kokosmakronen vielleicht? Der Kokosgschmack passt guad zo der Pina Colada, und de Pletzal ess ma dann af da Terrassn. Da Mo mecht an Heiligabnd sowieso grilln. Des mit da grilltn Gans hob i eagm God sei Dank no ausredn kinna. Und ibahapt, wer putzt nochher den vermaledeitn Grill wieda?

Neunter Dezember

Da Bua mecht a Palme ois Weihnachtsbaum. Des geht oba ned. Wia soi i do de teian Christbaumkugln aufhänga? Ha? Und wos is mit da Beleuchtung? Wia schaut denn des aus? S’langt e scho, dass mei Mo dauand vo an neia Grill red. A Gasgrill, oda a Elektrogrill, weil de Holzkohln de gibt’s ja nimma, wegs dera Klimakatastrophe. Mir glangts jetz boid.


Zehnter Dezember

Mei Nachbar is a ganz a Schlauer. Der sprüht grod an Kunstschnee iba seine vom Zünsla ogfressne Buchsbaam. I woaß ja ned ob des gega de Plog is,  oda ob a, a Weihnachtsstimmung herbringa mecht. Mir heifts jednfois ned! Des Zeig stinkt wia dausnd ranzlade Sockn.

Elfter Dezember

Naja, wenigstns kinn ma de Beleuchtung auf da Terrassn mit Solar lauffa lassn. Sparn ma a wos. Mir is fei no ned wirklich weihnachtlich zumute. Hoff, dass des boid moi kimmt. In meina Not schau i jetz de Sendungen vo den Weihnachtn wias friara warn…

Zwölfter Dezember

Hob grod zehn Sprühdosn mit Kunstschnee kauft. I kann des ganze Grea nimma segn, und da Nachbar hod sein Rasn mittlaweile mit Koichfarb weiß ogmoint.
Dann vozeit der mir doch glatt, dass i, aloa scho wega dem Eindruck, für vorbeilaufende Passanten, die Pflicht hob, dass unsa Straß‘ weihnachtlich wirken muss!
Des so, moant er, is Bürgerpflicht.
So ein Depp!

Dreizehnter Dezember

Es is fei koa Trost wenn ma jemand sogt, dass friara a ned immer weiße Weihnachtn gebn hod. Jeds Moi wenn i im Fernsehn an Schnee seg muass i so woana. Mein Mo nervt des und geht dann in Gartn. Passt ma a ned. Des staubt dann imma so. Wer hod eigentle davo gred, dass mia koan Klimawandel ham? Ha??? Wer war des???

Vierzehnter Dezember

Da Nachbar is im Kranknhaus. Hod se mit seim Kunstschnee und der Koichfarb vogift. I hob eam a Pflanzn bracht. An Weihnachtsstern. Mei der hod se gfreit wia a Schnitzl.
Jamei, das Fest der Liebe, und das Fest des Friedens rückt heran. Do bin i a ned so nachtragend. Er kann ja nix dafir, dass a a so a Depp ist.

Fünfzehnter Dezember

D’Weihnachtsbeleuchtung hod an Geist aufgebn. Da Elektriker moant, dass des an da Wärm liegt. Fir des is des Zeig ned ausgricht. A Gebläse, dass da Trafo kühlt werd‘, hod a ma a no vokafft.
Oba des ist wuascht, i brauch heia eh koa Winterjackn, statt dessn renn i im Bikini umanand.


Sechzehnter Dezember

Mei Freindin fliagt auf d’Malediven. Frog mi bloß fir wos? Do is im Moment kälta wia bei uns…


Siebzehnter Dezember

Warum gibt’s eigentlich oiwei no Schneeschaufen zom Kauffa? Vo de Junga woaß koana wos a Schnee is und wia i meine Kinder de Weihnachtsplätzal higstellt hob hams mi so komisch ogschaugt. Jetz kann i des ganze Zeig in Müll werfa. Dabei hob  a so gschwitzt wia i’s bacha hob.

Achtzehnter Dezember

War heit mit an na Freindin aufm Christkindlmarkt. A ganz a Narrischa hod vosuacht, dass a an Glühwein vokafft. D’Leit ham den Gruch ned votrogn und a wuide Rauffarei mit dem Mo ogfangt. Der hod se gwehrt, des sogi eich. Polizei is kemma und s’Resultat war, dass vier Personen mit etliche Blessuren ins Kranknhaus bracht wordn san.
Wos muass der a an Glühwein obietn? Aufm Christkindlmarkt gibt’s jetz a Bier und fir de Schickimickis kühle Drinks wia an Caipiriniha.
 De Hitz mocht olle ganz damisch.


Neunzehnter Dezember

Mei Mo überwacht grod den Einbau von da Klimaanlag. S’muass einfach sei. Mia kinnan ja nimma schlaffa, dreißg Grod im Schlafzimmer und fir Heiligabend hams scho wieda an Sandsturm ankündigt. Der kimmt aus da Sahara, dort hods übrigens an Schneesturm. S’gibt a Spendenkonto fir dafrerte Kamele und deren Besitzer.

Einundzwanzigster Dezember

Es geht ned! Es geht einfach ned, dass ma beim Krippngspui mitmachan! I mog koa grantige Herbergswirtin spuin und mei Mo hod an Sonnenbrand. Des geht ned, dass er an Josef macht. Schminkn nutzt bei dera Hitz nix. Des Make-up daad davolaffa.


Zweiundzwanzigster Dezember

Mia is so hoaß. Da Strom is ausgfoin, s’geht weda de Klimaanlag, no de Weihnachtsbeleuchtung.

Dreiundzwanzigster Dezember

Mei Mama kimmt vo Mallorca. S’is ihr z’koit dort. Zum Glück is da Strom wieda do, dann gibt’s an Heiligabend a scheene Eistortn!

Heiligabend

Jetz sitz ma samt da Mama im Keller und essn de Eistortn. Draußt hods so a Hitz, dass Lametta am Flieda gschmoizn is. Im Radio spuins scho wieda „Leise rieselt der Schnee“.
I glaub i werd‘ im nächstn Leben a Eisverkäuferin. Des is a krisensicherer Job.

Scheene Weihnachtn wünsch i eich!

Irmgard 




Sonntag, 1. Dezember 2019

Der Weihnachtskönig


Der Weihnachtskönig
von Irmgard 


„Hast du das Rentier bekommen?“
Joselyns Frage löste bei Henry ein vages Gefühl von Schuld aus, das er sofort im Keim erstickte.
Das Rentier war nur eines von vielen Dingen, die er erledigen musste, abgesehen von seiner Arbeit im Bahnhof. Der Kiosk lief gut, fast zu gut, um wahr zu sein. Gerade jetzt in der Vorweihnachtswoche stürmten Kunden zu ihm und seine Kasse füllte sich in angenehmster Weise.
„Das Rentier gab es nicht mehr. Dafür habe ich einen Elch besorgt“, antwortete er, und Joselyns blaugrüne Augen füllten sich daraufhin augenblicklich mit Tränen, die über ihre Wangen hinabliefen und im Make-up unschöne Spuren hinterließen. Sie war nicht schön im eigentlichen Sinn. Mittelblondes Haar und eine Stupsnase, deren Spitze ein wenig keck nach oben wies. Für Henry spielte ihr Aussehen keine Rolle. Er liebte sie von Herzen.
„Oh!“, sagte sie mit matter Stimme, „Ein Elch.“
Henry zog mit heiterer Miene ein Päckchen aus der Einkaufstasche und präsentierte es Joselyn mit dem Ausruf, „Traraaaah!“
Joselyn nickte nur, nahm ihm das Päckchen ab und ging damit in die Küche ihrer kleinen Wohnung. Ja, ihre Wohnung war winzig. Aber sie war gemütlich eingerichtet und zeichnete sich durch sanfte Farben aus. Die Farbauswahl hatte Joselyn getroffen und damit ihren guten Geschmack bewiesen.
Bisher hatte es immer gereicht. Die Wohnung. Das Geld. Ihre Liebe. Nur dieses verflixte Rentier stand einem grandiosen Weihnachtsfest im Weg.
Henry folgte Joselyn in die Küche. Die Küchenzeile war umkränzt von einer künstlichen Tannengirlande in der hundert bunte Lichter blinkten.
„American Christmas!“, hatte Joselyn glücklich geseufzt, nachdem die Girlande von Henry aufgehängt worden war. Das verflixte Ding erwies sich als tückisch, weil es immer wieder aus den Haken schlüpfte, sobald man eine Tür der Hängeschränke öffnete. Aber Joselyn freute sich darüber und deshalb war es Henry egal.
„Du bist mein Weihnachtskönig, Henry! Niemand kann besser dekorieren als du!“, hatte sie gesagt.
Das Abendessen schmeckte  köstlich. Gebratene Würstchen im Speckmantel, dazu ein Feldsalat und als Nachtisch flambierte Ananas, die Joselyn, in ein neckisches Baby-Doll gekleidet, servierte hatte.
Henrys Unmut war verflogen, und schuldig fühlte er sich auch nicht. Der Elch, der eigentlich ein Rentier sein sollte, stand nun auf einem Regal oberhalb der Spüle. Es war ein hässliches Ding mit orangefarbenen Glasaugen, die blinkten und ihm ein tückisches Aussehen gaben. Joselyn spülte das Geschirr und warf ab und an einen Blick darauf.
Warum musste es ein Rentier sein?
„Weißt du, der Weihnachtsmann kann doch nur mit einem Rentier kommen. Das ist einfach so“, hatte Joselyn ihm erklärt. Vielleicht wäre es besser gewesen im Internet zu bestellen. Aber die Zeit hatte nicht gereicht, und Joselyn bestand darauf, dass er sich um das vermaledeite Tier kümmerte.

„Was gibt es im Fernsehen?“
„Ich dachte wir könnten heute mal eine DVD ansehen…“
Joselyn ging ins Schlafzimmer zog einen Morgenmantel an und setzte sich aufs Bett. In Gedanken zählte sie die Tage bis Heiligabend. Im Fenster hing ein großer Stern aus rosa Papier. Henry hatte ihn mitgebracht und das Ungetüm zur Alternative für den Weihnachtsbaum erklärt. Ihr wäre auch ein kleiner Baum recht gewesen, notfalls aus Plastik, nur konnte sie ihm das nicht sagen.
Wie soll man eine unbestimmte Sehnsucht erklären, die man selber nicht versteht? Henry mühte sich ohnehin sehr ab, damit es ihr gut ging und tat alles, um sie vergessen zu lassen, dass es ihr letztes Weihnachten sein würde.
Drei Jahre und sieben Tage. So lange kannte sie ihn jetzt, und ihre erste Begegnung hatte sich fest in ihrem Gedächtnis verankert. Henry war ihr aufgefallen, weil er eine scheußlich orangefarbene Jacke trug, während er vor ihr an der Kasse eines Supermarkts wartete. Erst als er sich umdrehte und sie mit haselnussbraunen Augen anlachte, bildeten sich in ihrem Magen viele flatternde Schmetterlinge.
Der blonde Lockenkopf hätte vielleicht einen neuen Schnitt vertragen können, aber sein Charme machte alles wett, und sie verliebte sich von einer Sekunde zur anderen.

Er stand im Türrahmen und sah wie sie nachdachte. Was konnte er noch tun, damit sie sich nicht ständig so quälte? Unhörbar seufzend stellte er den Fernseher an und legte die DVD mit Joselyns Lieblingsfilm in den Player. Sollte er Reue spüren, weil er ihr diesmal nicht das Richtige mitgebracht hatte? Für ihn bedeutete es nichts. Er konnte mit dem ganzen „Weihnachsklimbim“, wie er es insgeheim nannte, nichts anfangen. Der rosa Stern war ein weiterer Beweis für seine Versuche, das Fest der Liebe und der Freude in irgendeiner Form anzunehmen. Einen Baum hatte Joselyn sich gewünscht…

Joselyn schaltete die Beleuchtung des Sterns an und legte sich aufs Bett. Den Film kannte sie auswendig und die Handlung rauschte an ihr vorbei. Sie war ganz weit weg. Wohin würde sie gehen, wenn das hier vorbei war?
„Komm zurück.“ Henrys Stimme klang ganz dicht an ihrem Ohr und brachte sie zurück in das kleine Schlafzimmer und die Wirklichkeit.
„Ich möchte nicht, dass du dabei bist“, murmelte sie und drehte sich zur Seite.
Henrys Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Diesmal fühlte er Scham und Schuld, denn er hatte Angst davor. Gnadenlose kalte Furcht. Tief in ihm war immer der Wunsch gewesen, es nicht miterleben zu müssen und nun, da sie ihn davon befreite, sah er sein eigenes Versagen mit unerbittlicher Klarheit.
„Ich werde morgen noch einmal nach einem Rentier suchen. Vielleicht bekomme ich sogar eines, das ein Weihnachtslied singt?“ Er versuchte positiv zu klingen.
„Lass nur. Der Elch reicht auch. Was hältst du davon, wenn ich noch einmal Plätzchen backe? Es sind nur noch ganz wenige da, und an Heiligabend sollten wir doch Plätzchen essen.“

Der nächste Tag wurde hektisch. Eine Lieferung für den Kiosk war ausgeblieben und brachte eine Menge Ärger mit sich. Henry überlegte, ob er eine Aushilfe einstellen sollte. Bis vor ein paar Monaten hatte Joselyn mitgeholfen und im Notfall den Verkauf übernommen, wenn Henry selber etwas für den Kiosk einkaufen musste. Aber dann kam die Krankheit und mit ihr eine Joselyn, die schwächer wurde, ängstlicher und auch immer trauriger. Er spürte ihre Trauer, auch wenn sie die Fassade der Fröhlichkeit tapfer vor sich hertrug.
Das Rentier fiel ihm wieder ein. Er schloss den Kiosk ab. Egal, dass ihm dadurch eine Menge Geld durch die Lappen ging. Verärgerte Kunden? Unwichtig.
Henry lief in die Fußgängerzone, vorbei an Buden in denen man Glühwein und Bratwürstchen anbot. Die Gerüche verfolgten ihn, und er zog von einem Geschäft ins nächste bis es spät wurde und die Läden einer nach dem anderen zu machten.
Kein Rentier. Wieso gab es keine Rentiere? Niedergeschlagen fuhr er nach Hause. In den Fenstern und Vorgärten wiesen beleuchtete Symbole darauf hin, dass es bald soweit war. Noch zwei Kilometer bis zum Geständnis. Henry bog in eine kleine Seitenstraße ab, die zu dem Mehrfamilienhaus führte, in dessen kleinster Wohnung Joselyn auf ihn wartete. Auf einem der Dächer leuchtete eine besonders große Gestalt. Henry verlangsamte,um zu sehen, was für eine Figur es war.
Ein Rentier! Das hätte er sich ja denken können. Mit einem traurigen Lächeln kehrte er heim. Dort empfing ihn der Duft von frisch gebackenen Plätzchen. Eine Kerze stand auf dem Küchentisch, die Girlande blinkte hektisch und Joselyn nahm gerade ein Backblech aus dem Ofen.
„Tut mir leid. Morgen versuche ich es noch einmal. Ich fahre in die Mall am anderen Ende der Stadt.“ Joselyn schüttelte nur leicht den Kopf.
„Wirklich! Es ist nicht so wichtig. Ich habe mich jetzt an den Elch gewöhnt“, sagte sie. Henry wusste darauf keine Antwort. Was sie auch immer sagte, das Rentier war ihr wichtig. Er würde noch vor Heiligabend eines finden.

Am Morgen jenes besonderen Tages wachte Joselyn sehr spät auf. Sie hatte geschlafen wie eine Tote, und der makabre Gedanke kam ihr wie eine Sünde vor. Henry befand sich nicht neben ihr. Wahrscheinlich war er schon zur Arbeit gefahren. Der Kiosk sollte bis Mittag geöffnet sein. Aber dann wollte er mit ihr Weihnachten feiern, so als wäre die Welt ein verzauberter Ort, an dem es keinen Schmerz und kein Leid gab.
Im Briefkasten lag ein Umschlag, der an sie adressiert war. Achtlos, ohne den Absender zu lesen, legte sie ihn auf den Küchentisch und bereitete sich ein Frühstück mit Tee und einer Scheibe Toast zu. Heute an Weihnachten wollte sie von niemandem belästigt werden. Ihre Vorbereitung für den Nachmittag und Abend beschäftigten sie. Joselyn hatte zwei Geschenke für Henry. Einen Jahresgutschein von einem exklusiven Friseursalon und eine wattierte, hellblaue Daunenjacke, auf deren Rückseite „King“ aufgestickt war. Die Kerze auf dem Tisch wurde angezündet. Alle Weihnachtsbeleuchtungen inklusive des hässlichen rosa Sterns waren angeschaltet. Dann kochte sie ihr Weihnachtsmenü.
Irgendwann schaute sie auf die Uhr und da es schon so spät war entschloss sie sich, Henry auf seinem Handy anzurufen. Aber es meldete sich nur die Mailbox. Nun wurde ihr ein wenig mulmig. Die Vision von einem schlimmen Unfall entstand vor ihren Augen, und sie musste sich setzen. Um sich abzulenken, schaltete sie das Küchenradio an, fuhr mit der Zubereitung des Essens fort und redete sich ein, dass alles in Ordnung sei.

Gegen vier Uhr nachmittags hatte sich Henry immer noch nicht eingefunden. Kein Anruf. Kein Lebenszeichen. Immer, wenn sie sein Handy anrief, meldete sich die monotone Stimme des Ansagetextes. Im Kiosk selber gab es noch kein Telefon. Wen konnte sie noch kontaktieren, der ihr sagte, was passiert war? Zum Weinen fehlte ihr die Kraft, die Vorbereitungen für den Heiligabend waren wohl doch zu viel gewesen. Plötzlich schreckte sie auf. Im Radio hatte jemand ihren Namen gesagt.
„Achtung! Dieser Weihnachtsgruß geht an Joselyn von Henry. Joselyn? Das ist für Dich.“
Es erklang das Lied „Rudolph The Red Nosed Reindeer“. Der Weihnachtskönig hatte geschafft, dass Joselyn lachte, bis ihr die Tränen kamen. Sie lachte auch noch, als die Wohnungstür aufgeschlossen wurde und ein abgekämpfter Henry in die Wohnung trat.
„Hast du das Rentier erhalten? Also das Lied meine ich“, fragte er atemlos.
„Ja! Wie hast du das angestellt? An Weihnachten?“, fragte sie, während sie ihn umarmte.
„Ich bin zum Sender gefahren. Erst habe ich dort angerufen, aber sie wollten partout keine Wünsche erfüllen, weil das Programm ja schon feststeht. Hat auch eine Weile gedauert bis ich sie überzeugt habe, dass man gerade dieses Lied spielen soll. Dann fiel mir ein, dass du vielleicht das Radio nicht eingeschaltet hast, und ich konnte dich nicht anrufen weil mein Handyakku leer ist. Ja, und auf dem Heimweg hatte ich eine Reifenpanne. Tut mir leid, dass ich so spät bin.“ Henry setzte sich auf einen Stuhl und zog Joselyn auf seinen Schoß.
„Du Ärmster. Nein. Mir tut es leid. Alles wegen des Rentiers! Du bist wirklich und wahrhaftig mein Weihnachtskönig und nun müssen wir Ihre Majestät füttern!“
Henry nahm den Briefumschlag, der immer noch auf dem Tisch lag, las den Absender und erstarrte.

„Joselyn, der Brief hier, hast du gesehen, woher er kommt?“
„Oh, den habe ich ganz vergessen“, antwortete Joselyn, die gerade den Salat aus dem Kühlschrank holte.
„Der Absender ist die Rembach-Klinik.“
Die Salatschüssel fiel zu Boden.
Mit zitternden Fingern öffnete Henry den Umschlag. Es wurde mitgeteilt, dass Josselyn zur Behandlung angenommen war und sie am 2. Januar dort erwartet wurde. Es bestand wieder Hoffnung auf weitere gemeinsame Weihnachtsfeste.

„Du hattest Recht, Joselyn. Der Weihnachtsmann kann nur mit einem Rentier kommen!“





Samstag, 29. Dezember 2018

Portugese- A BUSCA Translation by Andrè Goulart

Uma vez, um sono abissal caiu sobre mim.
Uma grande tristeza me prostrou.
Pelos canyons e florestas escuras
Andei sem tino ou propósito,
- O tempo parou.
No entanto, não pude encontrar a paz.
Sobre as montanhas ou além delas,
Eu nunca vi o céu.
Onde mão humana tocou a terra
nenhuma alegria ou felicidade,
nenhum canto de pássaros.
Silêncio - que significa a morte.
Deserto - parco e desnudo.
Nenhuma fonte satisfez a minha sede.
O verde se virou em cinza -
e o azul entre as copas se fechou.
- Digam-me quem quebrou aquilo...
Os pés estavam pesados;
a mente, em pensamentos sombrios.
Perdido, vaguei pelas almas dos homens,
onde não encontrei luz, nem esperança
- Terra de Ninguém.
Irmgard 
(Free translation by André Goulart)

Die Suche








Die Suche

Der tiefe Schlaf mich einst befiel.
Die große Trauer mich darnieder warf.
Durch Schluchten und durch dunkle Wälder
schritt ich ohne Sinn und Ziel,
die Zeit stand still.
Doch Ruhe fand ich dennoch nicht.

Auf und über hohe Berge,
sah ich den Himmel nimmermehr.
Wo Menschenhand die Erd’ berührte –
keine Freude, kein Glück
und keines Vogels Stimme,
die Stille die den Tod bedeutet.

Die Wüstenöde karg und kahl.
Kein Brunnen der den Durst mir stillte.
Das Grün wurde zu düsteren Grau –
so verblasste auch des Firmamentes Blau…
Sag mir wer das wohl verbrach.

Die Füße schwer,
der Sinn, in finsteren Gedanken.
Haltlos irrte ich durch der Menschen Seelen,
wo ich kein Licht und keine Hoffnung fand
-Niemandsland.


Irmgard 

Sonntag, 2. Dezember 2018

#Advent


Advent, Advent!
Die Welt, sie brennt!
Wir sehen tausend Glitzersterne!
Und das Leid bleibt in der Ferne…

Advent, Advent!
Die Welt, sie brennt!
Wir warten auf den Nikolaus!
Und freu’n uns auf den Weihnachtsschmaus…

Advent, Advent!
Ein jeder kennt,
das Kindlein, das im Krieg geboren.
Noch ist es nicht ganz verloren…

Advent, Advent!
Du hast verpennt!
Den Punsch und auch den Weihnachtsmann!
Ein Wunsch die Welt nicht retten kann…

Advent, Advent!
Die Hoffnung brennt,
trotz Hunger, Leid und Schmerzen!
In den meisten Menschenherzen…

Advent, Advent!
So schlaft denn ein.
Jeder so, für sich allein.
Vielleicht wird dann endlich Ruhe sein…

Irmgard 
29. November 2015

Dienstag, 17. April 2018

MENSCH MENSCHLICH - Lüge oder Wahrheit? (Gastbeitrag von Gina)


MENSCH     MENSCHLICH     Lüge oder Wahrheit?


Menschen betrügen dich um Geld, können trotzdem ruhig schlafen und sich auch noch als große Tierschützer und Geldspender feiern und loben lassen?

Menschen betrügen dich um Geld, erzählen Lügen über dich und könnten trotzdem ruhig schlafen?
Menschen belügen dich und vermitteln dir, du bist noch selbst schuld daran – mit Argumenten, die gelogen sind?

Menschen machen dich klein, um selbst gut oder besser dazustehen, obwohl sie das überhaupt nicht notwendig haben?

Menschen profilieren sich auf deine Kosten und beleidigen dich vor denen, die wirkliche „Verbrechen“ begehen?

Menschen nennen sich „dein Freund“ und sitzen daneben und sagen gar nichts?

Menschen versprechen dir, sie besuchen dich und melden sich dann nicht mehr; wundern sich dann aber, wenn du nicht so reagierst, wie sie es gerne hätten oder dich dann nach langer Zeit der Warterei, der Hoffnung und Freude von ihrer Freundesliste nehmen?

Menschen nutzen ihre Stellung aus, um dich hinzuhalten, um dir für „Dinge“, die dir zustehen, vollkommen unnötige Steine in den Weg zu legen?

Menschen glauben lieber Lügen als die Wahrheit?

Menschen nennen sich hochintelligent, sozial, liebend, sie denken, sie seien die „höchste“ Existenz auf Erden und meinen, sich über alles stellen zu können?

Was ist am Lügen und Betrügen sozial oder liebend oder wirklich intelligent?

Was ist so schwer daran, einen gemachten „Fehler“ zuzugeben und sich zu entschuldigen?
Ist es intelligent, andere schlecht zu behandeln, um eigenen Vorteil – oder gedachten Vorteil (Geld allein macht auch nicht glücklich) - für sich zu erhalten?

Was ist daran gut, dass man meint, sich „über alles“ stellen zu wollen oder zu können?

Was ist gut an einer Mutter, ihren Kindern vorzuleben, wie man andere Menschen belügt und betrügt, um an Geld zu kommen? Die ihre Kinder auch dazu benutzt? (Und damit sind nicht irgendwelche Bettler- oder Drückerkolonnen gemeint)

Fragen über Fragen, die sich ein Mensch stellt, die zum dritten Mal an Krebs erkrankt ist und das Verhalten und die Reaktionen vieler Menschen nicht mehr verstehen kann (und will)!
Die aber glücklich ist, einen tollen Mann und Sohn zu haben, die glücklich ist, ein paar Menschen an ihrer Seite zu wissen, die ihr helfen und zeigen, dass Vertrauen trotzdem nicht verloren gehen sollte. Die sieht, dass Menschen, selbst wenn sie weit weg sind, sehr nahe sind – im Herzen und im Geiste!

Für diese Herz-erfüllten Menschen ein ganz großes   ↷ DANKE!

Montag, 9. April 2018

DER KRIEGER

Der Krieger
Klick, klack,
sei auf Zack.
Zwei, vier,
Ziel im Visier.
Los, schnell: Drück doch ab!
Ist ganz leicht: Eine Kugel reicht.
Ist schnell vorbei … einerlei
ob eine oder hundert: 
Du wirst als Held bewundert.

Hast du es getan, bist du ein ganzer Mann.
Komm Soldat!
Komm Soldat!
Mach sie alle! Mach sie platt!
Wenn du aus der Ferne schießt,
siehst du nicht, wie viel Blut da fließt.

Ist so sauber, ist so rein,
du wirst ein großer Kämpfer sein.
Ja! Du bist der beste Krieger,
sind alle tot, bist du der Sieger!

… und draußen in der weiten Welt
spricht man übers große Geld.
Wer, wie viel, am Krieg verdient …
… keiner fragt, keiner sagt, 
wo die Soldaten geblieben sind.

Über Tausenden von toten Leibern,
betrauert von den alten Weibern,
lacht leis’ die Rüstungsindustrie,
denn der Sieger ist nur sie.


Irmgard

Weihnachten - Ein Tagebuch aus der Zukunft (Bairische Mundart)

A Blick in die Zukunft: Weihnachtn wias amoi sei werd‘… Weil ma ja jeds Joar a weng a Klimaverschiebung ham, und so manche Branch...