Ein Blick in die Zukunft:
Weihnachten wie es einmal sein wird
Weil wir jedes Jahr ein wenig mehr Klimaverschiebung haben,
und so manche Branche, die Winterkleidung, Winterreifen und dergleichen
herstellt leidet.
Weil die Ski- und die Schlitten immer mehr in den
Hintergrund treten. Weil es so trocken ist, dass bald nichts mehr grün wird.
Deswegen habe ich mir ein wenig Gedanken über die Zukunft
der Adventszeit, und generell über das Weihnachtsfest gemacht. Was für ein
Gefühl wird es werden? Wie romantisch und stimmungsvoll werden wir das Fest der
Liebe erleben?
Hier mein Tagebuch dazu. Ich wünsche viel Spaß!
Bitte runter scrollen. Danke.
1. Dezember
Trotz der Lebkuchen und Spekulatius, die
seit August in den Supermärkten herumliegen, hat sich noch keine weihnachtliche
Stimmung eingestellt. Der Winter lässt sich Zeit. Die Sonne scheint sehr
freundlich, trotz der kurzen Tage.
Im Garten blühen die Rosen, und vorhin
habe ich an meinem Flieder zarte Knospen entdeckt. Egal. Ich hänge Lametta
dran. Das flattert so schön im warmen Südwind.
2. Dezember
Ein Saharasturm ist angekündigt. Das
bedeutet, dass wir das Auto wieder vom Sand befreien müssen. Kein Problem. Ich
verwende den Besen mit dem ich üblicherweise den Schnee entferne, und den
Eiskratzer kann man gut als Teigschaber einsetzen.
3. Dezember
Der heutige Spaziergang war besonders
schön. Im Wald, da balzen die Vögel, und sind schon eifrig am Nest bauen. Wieso
habe ich nur die 25 Kilo Vogelfutter gekauft? Das war so unnötig. Denn es
fliegen genügend Mücken herum, die sich ihrerseits ihre Nahrung bei uns
Menschen suchen. Hoffentlich sind keine Tigermücken dabei…
Übrigens sind manche Vögel auf andere
Kontinente ausgeflogen. Vielleicht ist es dort angenehmer.
4. Dezember
Im Radio wurde nun wiederholt „Leise
rieselt der Schnee“ gespielt. Wegen der Weihnachtsstimmung, wie der arrogante
Sprecher meinte. Ich war etwas ungehalten darüber, weil ich gerade aus der
Eisdiele kam, und eigentlich besorgt bin, dass ich mir einen Sonnenbrand
zugezogen habe.
5. Dezember
Im Fernsehen zeigen sie zurzeit Sendungen
aus den 1950ern und 1960ern. Natürlich, um die Stimmung für Weihnachten zu
erzeugen. Denn damals gab es noch Schnee und Kälte, und die Menschen hatten
dicke Jacken, Mützen, Schals und Winterstiefel.
Aber bitte! Wer braucht schon Schnee und
Kälte? Man spart extrem an Heizkosten. Im Grunde genommen heizen wir ohnehin
nicht. Dafür brauchen wir nun Ventilatoren…
6. Dezember
Heute war der Nikolaus da! Er trug kurze
Hosen und ein Hawaiihemd. Der Schweiß lief ihm unter dem falschen Bart hervor,
und nach der Geschenkeübergabe wollte er unbedingt ein kaltes Bier. Also wo
kämen wir denn da hin, wenn der Nikolaus Bier tränke? So etwas hätte es früher
nie gegeben.
7. Dezember
Hatte Streit mit meinem Mann. Er fand,
dass die Kerzen und Teelichter, die ich wegen der Adventsstimmung angezündet
hatte, zu viel Hitze abgeben. So ein Weichei! Er war ganz rot im Gesicht, und
es erinnerte mich irgendwie an eine glänzende Christbaumkugel. Jedenfalls hat
er das ganze Zeug zusammengerafft und in den Müll geworfen. Wo soll jetzt
bitteschön die Romantik herkommen?
8. Dezember
Soll ich Weihnachtsplätzchen backen? Aber
welche? Vielleicht Kokosmakronen? Die würden gut zu der eisgekühlten
Pina-Colada passen. Kann man schön auf der Terrasse servieren. Mein Mann möchte
am Heiligabend nämlich grillen. Zum Glück konnte ich ihm das mit der gegrillten
Gans noch ausreden. Und überhaupt! Wer putzt den hinterher wieder den
vermaledeiten Grill?
9. Dezember
Unser Sohn möchte als Weihnachtsbaum eine
Palme!
Das geht doch nicht! Wo soll ich dann
meine teuren Christbaumkugeln aufhängen? Und was ist mit der Beleuchtung? Die
echten Kerzen kann man da nicht anklemmen, und die elektrischen Lichter würden
doch albern aussehen, oder?
Es ist ja schon schlimm genug, dass mein
Mann dauernd von einem neuen Grill redet. Einen Gasgrill, oder einen
Elektrogrill, weil es keine Holzkohle mehr gibt, wegen der Klimakatastrophe.
Allmählich verliere ich die Geduld!
10. Dezember
Der Nachbar von gegenüber ist
ein ganz Schlauer. Er sprüht gerade Kunstschnee über seine vom Buchsbaumzünsler
zerfressenen Buchsbäume. Ich kann nicht sagen, ob das gegen diese Plage sein
soll, oder ob es ihm um die nicht vorhandene Weihnachtsstimmung geht. Mir hilft
es leider nicht, und das Zeug stinkt wie ungewaschene Socken.
11. Dezember
Wenigstens können wir die
Beleuchtung auf der Terrasse mit Solar betreiben. Strom sparen ist in diesen
Zeiten sehr wichtig. Denn trotz der ganzen Solarkraftwerke und Windräder ist
der Strompreis um das Doppelte gestiegen. Warum, das hat man nicht so wirklich
erklären können.
Mir ist gar nicht
weihnachtlich zumute. Ich hoffe, dass sich dieses Gefühl noch einstellt. In
meiner Not sehe ich mir Sendungen über „Weihnachten wie früher“ an.
12. Dezember
Habe gerade zehn Sprühdosen
mit Kunstschnee gekauft. Ich will jetzt endlich Winter-Feeling!
Der Nachbar hat seinen Rasen
mittlerweile mit Kalkfarbe angemalt. Dann erzählt er mir doch glatt, dass ich
schon wegen dem Eindruck für vorbeilaufende Passanten, die Pflicht habe, dass
unsere Straße weihnachtlich wirkt.
Das, so sagt er, ist
Bürgerpflicht!
So ein Depp.
13.
Dezember
Es ist natürlich kein Trost, wenn jemand
behauptet, dass es früher schon grüne Weihnachten gegeben hat, und man im
Dezember Temperaturen wie im Sommer genießen darf.
Nicht, wenn es draußen 30°C hat, nicht wenn man
Sonnenschutzcreme mit LSF 50 benötigt.
Jedes Mal, wenn im Fernsehen Schnee gezeigt
wird, muss ich so sehr weinen. Meinen Mann nervt das und geht dann in die
Garage, denn im Garten kann man es leider nicht aushalten. Es staubt so, wenn
man über den vertrockneten Rasen geht. Aber es gibt ja keine Klimakatastrophe.
Nein, überhaupt nicht. Hat die Tussi im Fernsehen behauptet. Von so einem
seltsamen Verein, der sich „Partei“ nennt…
14.
Dezember
Oh weh! Der Nachbar ist im Krankenhaus. Hat
sich mit seinem Kunstschnee und der Kalkfarbe eine Vergiftung zugezogen. Dabei
habe ich ihm gesagt, er soll es nicht so übertreiben.
Hab ihm eine Kühltasche mit Eis gebracht. Der
hat sich gefreut wie ein Schnitzel. Aber das Fest der Liebe rückt heran, das
hat mich ein wenig sentimental und mitleidig gemacht. Er kann ja nichts dafür,
dass er ein Depp ist.
15.
Dezember
Die Weihnachtsbeleuchtung auf der Terrasse hat
ihren Geist aufgegeben. Der Elektriker meint, dass dies an der Hitze liegt.
Dafür seien diese Dinge nicht geeignet. Dann hat er uns ein Gebläse verkauft,
damit der Trafo gekühlt werden kann. Ganz schön teuer das Zeug.
Ist ja auch egal. Ich brauche diesen Winter
ohnehin keine neue Winterjacke. Stattdessen lauf ich nur noch im Bikini herum.
16.
Dezember
Meine Freundin fliegt auf die Malediven. Nicht
wegen des warmen Wetters dort, sondern wegen der Hitze hier. Macht Sinn.
Allerdings hat sie sich heute Nacht gemeldet
und verkündet, dass die Malediven überschwemmt sind und sie irgendwo auf einem
Berg sitzt. Wo, das konnte sie mir leider nicht sagen. Naja, wenigstens ist sie
in Sicherheit. Hoffe ich jedenfalls.
17.
Dezember
Wieso gibt es noch Schneeschaufeln zu kaufen?
Sicher. Sie sind im Sonderangebot. Aber sollen wir damit vielleicht den
Saharastaub wegschaufeln? Könnte Sinn machen. Aber der Sand ist so fein, dass
er nicht auf einer Schaufel bleibt, und nass machen können wir den auch nicht.
Das Wasser ist so teuer!
Als ich den Kindern die Weihnachtsplätzen
vorsetzte erntete ich sehr seltsame Blicke. Jetzt kann ich das ganze Zeug in
den Müll werfen. Dabei hab ich so geschwitzt bei der Backerei.
18.
Dezember
Heut war ich mit einer Freundin auf dem
Weihnachtsmarkt. Ein total Verrückter hat dort tatsächlich Glühwein angeboten.
Die Leute haben den Geruch nicht vertragen und mit dem Mann eine Rauferei
angefangen. Der wehrte sich natürlich, und das Resultat war, dass die Polizei
einschreiten musste, und vier Personen ins Krankenhaus gebracht wurden.
Was muss der auch auf dem Christkindlmarkt
Glühwein verkaufen? Heutzutage trinkt man dort Bier, oder für die Schickimickis
kühle Drinks, wie Hugo oder Caipiriniha.
Die Hitze macht alle ganz wuschi.
19.
Dezember
Mein Mann überwacht gerade den Einbau der
Klimaanlage. Es muss einfach sein. Wir können nicht mehr schlafen, es hat 30°C
im Schlafzimmer und für Heiligabend wurde schon wieder ein Sandsturm
angekündigt. Der kommt aus der Sahara. Dort droht in nächster Zeit übrigens ein
Schneesturm. Die armen Kamele…
20.
Dezember
Es geht nicht! Es geht wirklich nicht! Ich kann
nicht bei dem Krippenspiel mitmachen und eine grantige Herbergswirtin spielen.
Die soll doch einen dicken Pullover anhaben und eine Mütze noch dazu! Mein
Mann, der die Rolle es Josefs hat, wird definitiv nicht dabei sein, denn sein
Sonnenbrand hat sich verschlimmert. Sieht scheußlich aus. Make-up geht auch
nicht, weil es bei der Hitze davonlaufen würde.
21.
Dezember
Mir ist so heiß. Der Strom ist ausgefallen.
Weder Klimaanlage noch Weihnachtbeleuchtung funktionieren.
22.
Dezember
Meine Mutter kommt von Mallorca zurück. Es war
ihr dort zu kalt. Zum Glück ist der Strom wieder da. Dann gibt es an
Heiligabend eine schöne, leckere Eistorte.
23.
Dezember
Meine Mutter besteht darauf, dass wir für
Heiligabend „Stille Nacht“ üben. Es soll doch romantisch sein. Sie hat noch
einen Weihnachtsbaum ergattert. Allerdings nadelt das verflixte Ding, und ich
komme mit lauter Staubsaugen nicht hinterher.
Die Kinder wollen nicht singen, mein Mann kann
nicht singen, und ich bin kurz davor zu schreien.
Mutter ist das egal. Sie will ein
traditionelles Weihnachtsfest und keine Terrassenparty, wie sie es nannte.
24.
Dezember
Jetzt sitzen wir, samt Mutter, im Keller und
essen die Eistorte. Draußen herrscht eine Bruthitze von 45°C. Sogar das Lametta
am Flieder ist geschmolzen.
Im Radio läuft „Leise rieselt der Schnee“. Das
ist gut, so müssen wir nicht singen.
Ich glaub ich werde Eisverkäuferin. Das ist ein
krisensicherer Job.
Fröhliche Weihnachten, Euch allen.
Debora
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